Anne Frank


PREMIERE: 23.04.2016
Grosses Haus
Staatstheater Karlsruhe
23. Europäische Kulturtage
Karlsruhe
www.staatstheater.karlsruhe.de

Programmheft

CHOREOGRAFIE &
INSZENIERUNG

Reginaldo Oliveira

MUSIK:
Dmitri Schostakowitsch,
Alfred Schnittke,
Lera Auerbach,
Max Richter

KOSTÜME:
Judith Adam

BÜHNE:
Sebastian Hannak

LICHT:
Stefan Woinke

DRAMATURGIE:
Silke Meier

THEATERPÄDAGOGIK:
Sarah Modeß

Uraufführung Anne Frank


Anne Frank ist ein junges Mädchen im Aufbruch, auf der Suche nach ihrer eigenen Identität. Durch die deutsche Invasion in den Niederlanden endet der Traum von einem normalen Leben für die jüdische Familie Frank. 1942 bezieht sie ihr Hinterhausversteck in Amsterdam. Anne flüchtet aus der Beengtheit des Zufluchtsortes, indem sie Tagebuch schreibt, immer in dem Wunsch, es nach dem Krieg zu veröffentlichen. Ihr Traum ist es, Schriftstellerin und Journalistin zu werden. Doch sie stirbt 15-jährig im Konzentrationslager. Ihr Tagebuch ist heute eines der wichtigsten Zeugnisse des Holocaust und steht exemplarisch für den Völkermord an den Juden und berührt weltweit. Die Lektüre ist für viele junge Menschen die erste Beschäftigung mit der Zeit des Nationalsozialismus. Den Choreografen interessiert über ihre Biografie hinaus, was es für Menschen bedeutet, wenn sie aus ihrer Normalität gerissen werden, weil die Welt um sie herum immer brutaler wird. Denn während das Mädchen Anne Frank in ihrem Versteck zur jungen Frau wird, findet in Europa die größte Flüchtlingsbewegung des 20. Jahrhunderts statt.

Trailer


Fotograf: Jochen Klenk

Oliver Hans schrieb am 21.01.2017:

"Ballett Anne Frank", eine überwältigende Vorführung! Wunderbar ergreifend, perfekt gespielt und hervorragend künstlerisch getanzt mit einer wundervollen Bruna Andrade. Was für ein fantastisches Ensemble!! Ich kann Ihnen nur gratulieren und Ihnen danken für diese großartige Leistung, die man hier miterleben darf.


Erich Ruhl schrieb am 13.07.2016:

Eine fulminante Aufführung. Großes Lob fürs Ensemble und für den Erfinder Oliveira. Beeindruckendes Bühnenbild. So viel Einfühlung, so viele gute Methaphern. So viel Erinnerung an die Tatsache, dass Freiheit und Menschenwürde täglich neu verteidigt werden wollen. Ich bin froh, am Sonntag, 10. Juli, dabei gewesen zu sein. Anne Frank kommt wieder in der Spielzeit 2016/2017. Empfehlung: Unbedingt ansehen und miterleben!


Cornelia Faßbender schrieb am 11.07.2016:

Ende April zeigte 3sat einen Beitrag zur Aufführung von "Anne Frank" an Ihrem Theater. Dieses Thema als Ballet darzustellen erschien mir derart besonders, daß ich ohne Mühe meine Freundin zu einem Besuch in Karlsruhe überreden konnte. Am vergangenen Wochenende sind wir eigens für Ihre Aufführung aus Düsseldorf angereist. Zu sagen, es hat sich gelohnt, ist definitiv Understatement. Das Ballet mag ich sehr, doch nie wäre es mir in den Sinn gekommen, daß ich dermaßen emotional ergriffen sein würde. Ich möchte ehrlich sagen, daß ich noch nie so etwas Schönes als Ballett gesehen habe. Das Liebevolle und Dramatische auf diese Weise miteinander zu verknüpfen, zu mahnen ohne zu ermahnen, auf die Schönheit des Lebens zu verweisen und die Brutalität der Macht zu zeigen, ist Ihnen mehr als gelungen. Herr Oliveira hat mich in dem Beitrag in 3sat bereits sehr berührt. Ich wünsche ihm und dem gesamten Ensemble den Erhalt dieser wundervollen Ästhetik. Vielen Dank für ein unvergessliches Erlebnis in Karlsruhe.


J.Gross schrieb am 28.04.2016:

Eigentlich wollte ich dieses Ballett gar nicht besuchen, nachdem jetzt auch schon wieder ein Verfilmung davon herauskam. Aber schon in der öffentlichen Probe wurde mir klar, dass diese Arbeit etwas Besonderes ist. Man wird mitgenommen in eine emotionale Welt, die getanzte Handlung verbindet sich mit der Musik zu einem Ganzen, dass einem direkt das Herz berührt. Ich kann es nicht anders sagen. Ein Bravo für den Choreographen und seine verblüffenden Einfälle und auch an den Bühnenbildner, der mit der Kulisse für das Gesamtkunstwerk einen wesentlichen Beitrag leisten konnte.


Uta Wahl-Witte schrieb am 27.04.2016:

Lieber Reginaldo Oliveira, Gestern waren wir in der Premiere von Anne Frank. Es war unglaublich gut ...die Intensität der Bilder die Sie bzw die Tänzer erzeugten... Mir fehlen die Worte... Im zweiten Teil die Idee das Innere der Waggons zum Zuschauer zu wenden...man war gleichzeitig ganz konfrontiert und identifiziert....ab dem Moment habe ich oder soll ich sagen wir eigentlich nur noch geweint vor Erschütterung...die Tänzer und ich/wir Zuschauer... Die Musik so gut gewählt...Shostakovich habe ich selbst als Bratscherin schon mitspielen dürfen und ich weiss was allein die Musik mit einem macht... Und jetzt kam Ihre Choreografie hinzu... Organisch, perfekt, so ein unfassbarer Ausdruck in allen Figuren... ein riesiges Kompliment an Sie, an Bruna Andrade an Flavio Salamanka und alle anderen... Bestimmt wird dieses Stück ein großer Erfolg sein. Ich werde es auf jeden Fall niemals vergessen. Sie verneigten sich vor Ihren Tänzern... Ich verneige mich vor Ihnen, Ihren Tänzern und all den Menschen denen Sie mit dieser Arbeit gedenken... Eine Arbeit gegen das Vergessen und der aktuelle Bezug zum Schluss war genau der Richtige....in dieser Erschütterung die Flüchtlinge vorbeiziehen lassen... Ich hoffe sehr, dass viele Menschen so ergriffen sind, wie wir es waren. Sehr herzlich grüße ich Sie inzwischen aus dem Weiherfeld und nicht mehr aus der Südendstrasse 24 Bitte machen Sie weiter Nochmals herzlich Uta Wahl-Witte

Kitty:
Kammertänzer Flavio Salamanka

Anne Frank:
Bruna Andrade, Harriet Mills

Margot Frank, ihre Schwester:
Rafaelle Queiroz

Edith Frank, ihre Mutter:
Harriet Mills, Amelia Drummond

Otto Frank, ihr Vater:
Andrey Shatalin

Auguste van Pels:
Blythe Newman, Su-Jung Lim

Hermann van Pels, ihr Ehemann:
Ed Louzardo, Reginaldo Oliveira

Peter van Pels, deren Sohn:
Pablo Octávio, Juliano Toscano

Fritz Pfeffer:
Bledi Bejleri

Kommandant:
Admill Kuyler

Miep Gies:
Hélène Dion

In weiteren Rollen:
Solisten und Ballettensemble des STAATSBALLETTS KARLSRUHE, Statisterie des STAATSTHEATERS KARLSRUHE

Musik:
Lera Auerbach, Max Richter, Alfred Schnittke, Dmitri Schostakowitsch

Choreografie & Inszenierung:
Reginaldo Oliveira

Bühne:
Sebastian Hannak

Kostüme:
Judith Adam

Licht:
Stefan Woinke

Dramaturgie:
Silke Meier

Theaterpädagogik:
Sarah Modeß
Mi 27.04.2016 20.00
Fr 06.05.2016 20.00
So 22.05.2016 19.00
Do 09.06.2016 20.00
Fr 17.06.2016 20.00
Do 23.06.2016 20.00
So 10.07.2016 15.00
So 17.07.2016 19.00
Di 19.07.2016 20.00
Mi 19.10.2017 20.00
Fr 28.10.2017 20.00
Fr 02.12.2017 20.00
Sa 14.01.2017 15.00
So 29.01.2017 19.00
Do 13.04.2017 20.00

SWR Kunscht!



Probenmitschnitt "Verliebt im Versteck"

Probenmitschnitt "Verliebt im Versteck" aus Reginaldo Oliveiras Ballett "Anne Frank". Es tanzen Bruna Andrade (Anne Frank), Pablo dos Santos (Peter van Pels) und Flavio Salamanka (Tagebuch). Uraufführung am 23.4.16 am Badischen Staatstheater Karlsruhe.
Kunscht! | 21.4.2016, 22.45 Uhr | 3:01 min


Probenmitschnitt "Margot stirbt"

Probenmitschnitt "Margot stirbt" aus Reginaldo Oliveiras Ballett "Anne Frank". Es tanzen Bruna Andrade (Anne Frank) und Rafaelle Queiroz (Margot Frank). Uraufführung am 23.4.16 am Badischen Staatstheater Karlsruhe.
Kunscht! | 21.4.2016, 22.45 Uhr | 2:42 min


Probenmitschnitt "Anne und das Tagebuch"

Probenmitschnitt "Anne und das Tagebuch" aus Reginaldo Oliveiras Ballett "Anne Frank". Es tanzen Bruna Andrade (Anne Frank) und Flavio Salamanka (Tagebuch). Uraufführung am 23.4.2016 am Badischen Staatstheater Karlsruhe.
Kunscht! | 21.4.2016, 22.45 Uhr | 3:05 min


"Anne Frank"-Ballett in Karlsruhe

Reginaldo Oliveira, Tänzer und Choreograph am Ballett des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe bringt bei den Europäischen Kulturtagen sein ersten Handlungsballett auf die Bühne: "Anne Frank".
Kunscht! | 21.4.2016, 22.45 Uhr | 5:04 min

Tanz - April 2016
Kann man den Deutschen den Holocaust vortanzen? In erstaunlich eindrücklichen Bildern führt ein junger brasilianischer Choreograf, geboren in der Favela, seinem bewältigungserfahrenen Publikum das berühmte Tagebuch vor Augen, das vielen Jugendlichen noch heute ihre ersten Eindrücke vom Schrecken des Nazi-Regimes vermittelt.
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Tanz - Juni 2016
Kann man den Deutschen den Holocaust vortanzen? In erstaunlich eindrücklichen Bildern führt ein junger brasilianischer Choreograf, geboren in der Favela, seinem bewältigungserfahrenen Publikum das berühmte Tagebuch vor Augen, das vielen Jugendlichen noch heute ihre ersten Eindrücke vom Schrecken des Nazi-Regimes vermittelt.
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Tanz - März 2017
Kann man den Deutschen den Holocaust vortanzen? In erstaunlich eindrücklichen Bildern führt ein junger brasilianischer Choreograf, geboren in der Favela, seinem bewältigungserfahrenen Publikum das berühmte Tagebuch vor Augen, das vielen Jugendlichen noch heute ihre ersten Eindrücke vom Schrecken des Nazi-Regimes vermittelt.
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Who Knows This Week May Just Be Your Greatest One Yet

A rollercoaster of a week that ended up fulfilling so many of my dancing dreams
Have you ever had one of those weeks where you think nothing exciting could possibly happen and then you’re catapulted into a string of days filled with mayhem and excitement? Well, a few weeks ago I found myself in a very unexpected situation which turned out to be one of my most treasured experiences as a professional dancer. Honestly, you never know what each week will bring.

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Das Stück „Anne Frank" von Reginaldo Oliveira erhielt schon zur Premiere ein breites und wohlwollendes Medienecho. Hier finden Sie eine Auswahl an Zeitungsartikeln. Zudem wurde im TV-Programm der Sender ZDF und 3sat über das Ballettstück berichtet!

dpa, 24.4.16 (in diversen Tageszeitungen abgedruckt)
Anne Franks berühmtes Tagebuch als Ballett
dpa Karlsruhe. Das Tagebuch der Anne Frank gehört zu den wichtigsten literarischen Werken über den Nationalsozialismus. Doch kann man das Tagebuch tanzen? Eine Ballett-Aufführung in Karlsruhe zeigt, dass es geht.

Die Erwartungen, aber auch die Befürchtungen waren groß vor der Premiere des Balletts „Anne Frank“ : Kann man „Das Tagebuch der Anne Frank“, die berühmten Aufzeichnungen des jüdischen Mädchens im Amsterdamer Versteck, tanzen? Das Badische Staatstheater stellte dies am Samstagabend im Rahmen der Europäischen Kulturtage in Karlsruhe unter Beweis.

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Archy World News, 25.4.16 | english
Anne Frank’s famous diary as a ballet
dpa Karlsruhe. The Diary of Anne Frank is one of the most important literary works about Nazism. But you can dance the diary? A ballet performance in Karlsruhe shows that it works. The expectations, but also the fears were great before the premiere of the ballet “Anne Frank”: Can “the diary of Anne Frank”, the Jewish girl in Amsterdam hiding the famous recordings dance? The Baden State Theatre presented this Saturday night as part of the European Culture Days in Karlsruhe test.

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BNN, 25.4.16, Titelseite
„Anne Frank"-Ballett
Am Badischen Staatstheater hatte als Beitrag zu den Europäischen Kulturtagen das Ballett „Anne Frank" Premiere. Die Choreografie besorgte Reginaldo Oliveira.



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Badisches Tagblatt, 23.4.16
Symbolkräftige Bilder
Oliveiras neues Tanzstück „Anne Frank" für Staatsballett Karlsruhe.
Die Schatten werden länger, die Wände schließen sich. Für die Uraufführung des Tanzstücks „Anne Frank" im Badischen Staatstheater Karlsruhe fand Bühnenbilder Sebastian Hannak eine eindrückliche Umsetzung in symbolkräftigen Bildern. Im Verbund mit der sehr geschickt vom Choreografen Reginaldo Oliveira ausgewählten Musik gelang es, das Thema atmosphärisch dicht umzusetzen.



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Südwest Presse, 25.4.16
HerzzerreißEnd: "Anne Frank" als Tanztheaterstück
Lässt sich ein Tagebuch tanzen? Das Badische Staatstheater zeigte mit der Uraufführung von Reginaldo Oliveiras Ballett "Anne Frank", dass das geht.

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Bild.de, 23.4.16
Neues Ballettstück | Brasilianische Ballerina tanzt „Anne Frank“
Lässt sich ein Tagebuch tanzen? Das Badische Staatstheater zeigte mit der Uraufführung von Reginaldo Oliveiras Ballett "Anne Frank", dass das geht.

Er tanzt ihr Tagebuch „Kitty“, sie die Anne Frank. Es ist das das erste Mal, dass deren Geschichte als Ballett aufgeführt wird.



Kurz vor der Premiere am Samstagabend im Badischen Staatstheater Karlsruhe verriet die brasilianische Ballerina Bruna Andrade (29) BILD am SONNTAG: „Das ist eine Riesenehre für mich, Anne Frank zu tanzen. Bei jedem Schritt denke ich an ihr Schicksal, versuche all das in meinen Bewegungen zu erzählen.“

Für die mit dem Faust-Preis ausgezeichnete Tänzerin, die seit 2003 in Deutschland lebt und seit 2005 beim Staatsballett Karlsruhe tanzt, ist es ihre schwerste Rolle. Sie besuchte das Anne-Frank- Haus in der Prinsengracht 263 in Amsterdam, las die ergreifenden Tagebücher mehrfach.

Zum ersten Mal begegnet sei sie Anne Frank in Brasilien. „Ich war 13 als wir ihr Schicksal in der Schule durch genommen haben“, sagt Andrade, die in Rio De Janeiro aufwuchs.

„Damals und auch bei den Proben heute habe ich geweint.“ Sie tanzt das jüdische Mädchen aus Deutschland, das sich mit den Eltern in Amsterdam vor den Nazis verstecken muss und im Alter von 15 Jahren in Auschwitz ermordet wird. Flavio Salamanka tanzt das berühmte Tagebuch „Kitty“.

Andrade: „Der Choreograf Reginaldo Oliveira hat das wunderbar gelöst. So wird deutlich wie wichtig das Tagebuch für Anne war, wie sie sich ihm anvertraut hat und dass es überlebt – auch als Anne stirbt.“

Andrade weiß wie es ist, wenn man einen geliebten Menschen verliert. Ihr Vater starb, als die kleine Ballerina erst 10 Jahre alt war. „Ich habe mir oft vorgestellt wie Annes Vater Otto weiter gelebt hat, als seine ganze Familie tot war.“

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Reutlinger General-Anzeiger, 26.4.16
Tanztheater - Erdrückende Bilder über eine Jugend im Nationalsozialismus: Reginaldo Oliveiras Stück »Anne Frank« beim Staatsballett Karlsruhe

Ein ermordetes Kind VON ANGELA REINHARDT

KARLSRUHE. Kann man den Holocaust tanzen? Muss man den Holocaust tanzen? Ein junger brasilianischer Choreograf, geboren in der Favela, entfacht beim Staatsballett Karlsruhe den Schrecken von Verfolgung und KZ. Und obwohl ihm das Thema weit ferner liegen muss als seinen in deutscher Bewältigungskultur geübten Zuschauern, führt uns Reginaldo Oliveira die Geschichte der Anne Frank in erstaunlich eindrücklichen Bildern vor Augen.

Das berühmte Tagebuch des jungen Mädchens, das mit 15 Jahren kurz vor Kriegsende in Bergen-Belsen starb, ist eine merkwürdige Themenwahl für ein Ballett: Wie soll man ihr zweijähriges Verstecken auf engstem Raum tänzerisch umsetzen, wie den Tod im KZ?

Oliveira erzählt in einfachen, bewegenden Bildern von der glücklichen Kindheit, von der ungebrochenen Zuversicht des Mädchens inmitten ihrer verzweifelnden Mitgefangenen auf dem Dachboden. Kitty, die imaginäre Adressatin von Annes Tagebuch-Briefen, wird hier zu einem jungen Dichter t ein zarter Junge in jungfräulichem Weiß, Spaziergänger der Lüfte und später zerbrochener Retter des Tagebuchs.

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Pforzheimer Zeitung, 27.4.16
Berührend ohne Happy-End



Oliveiras "Anne Frank"-Ballett am Badischen Staatstheater Karlsruhe uraufgeführt.

Anne Frank und ihr Tagebuch waren jahrelang als Unterrichtsgegenstand in den Schulen präsent. Doch kann man vom tragischen Holocaust-Schicksal dieses Mädchens in der Sprache des Tanzes berichten, mit einer Compagnie, die sich in Stil und Ausdruck der klassisch-romantischen Ballett-Tradition verschrieben hat? Man kann.

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Die Hoffnung niemals aufgeben - Der Choreograf Reginaldo Oliveira bereitet „Anne Frank" vor

Reginaldo Oliveira ist seit 2006 Tänzer beim Staatsballett Karlsruhe und hat schon mit mehreren Choreografien für Aufmerksamkeit gesorgt, zuletzt auch überregional mit der Auftragsarbeit Dar Fall M. im Rahmen des Ballettabends Mythos. Was bewegt ihn, Amsterdam zu besuchen?

Es ist ein Wiedersehen. Denn als der brasilianische Tänzer 2006 zum ersten Mal nach Europa reiste, um in verschiedenen Compagnien vorzutanzen, legte er einen Zwischenstopp in Amsterdam ein, um sich das Anne-Frank-Haus in der Prinsengracht 263 anzusehen. Dorthin war das jüdische Mädchen 1942 mit ihrer Familie vor den Nationalsozialisten in ein Hinterhausversteck untergetaucht. Seit 1960 ist es ein Museum. Schon als Jugendlicher las Reginaldo Oliveira Anne Franks Tagebuch, das sie während ihres Lebens im Untergrund geschrieben hat und das heute ein weltberühmtes Zeugnis des Holocaust ist, und war von ihrer Geschichte und ihrem Schicksal - sie starb mit 15 Jahren im KZ Bergen-Belsen – tief beeindruckt. Knapp zehn Jahre nach seinem ersten Aufenthalt kehrt der Südamerikaner nun nach Amsterdam zurück und nutzt den Besuch zur Vorbereitung auf seine neue Kreation Anne Frank für das Staatsballett Karlsruhe – sein eigens abendfüllendes Ballett!


„Besonders beeindruckt hat mich die lange Warteschlange vor der Museumseingang. Es war ein kühler Tag und die Leite standen geduldig drei Stunden an. So eine lange Zeit miteinander zu verbringen, verbindet die Besucher, ohne dass sie sich kennen, bereits auf eine besondere Weise. Gemeinsam mit Menschen aus aller Welt, die mit mir das Interesse für Anne Frank und ihre Geschichte teilen, hatte ich während des Anstehens genügend Zeit, mir auszumalen, wie Anne Frank in ihrem Hinterhausversteck gelebt hat, mit sieben Menschen auf engstem Raum und in permanenter Angst, entdeckt und deportiert zu werden.“


Durch den berühmten Bücherschrank, der damals den geheimen Zugang zum Hinterhaus verdeckte, und über eine für alte Amsterdamer Grachtenhäuser typische steile Treppe gelangt man ins Museum. „Man kann sofort eine besondere Energie spüren. Die Geschichte ist noch allgegenwärtig“, So Reginaldo Oliveira, „Es ist deprimierend, dort zu sein. Die Besucher sind alle sehr still, im Respekt vor dem Unfassbaren vereint. Wie können Menschen so viel grausame Macht üer andere Menschen haben, um sie von ihren Familien zu trennen, zu deportieren und ihr Leben zu beenden? Das ist eine Frage, die im Blick auf die aktuelle Flüchtlingskrise brennender denn je ist.” Der Museumsbesuch hilft dem Choreografen, den historischen Kontext und die Hintergründe von Anne Franks Leben besser zu verstehen, und „gibt dem Holocaust ein Gesicht. Anne Frank steht stellvertretend für das Schicksal von Millionen von Menschen.”


Aber als direkte Vorlage für das Bühnenbild oder die Choreografie macht sich Reginaldo Oliveira die Räumlichkeiten des Anne-Frank-Museum nicht zunutze. „Ich verfolge keinen historisch-dokumentarischen oder realistischen Ansatz, denn ich muss selbst eintauchen und eine eigene Geschichte finden, um gut und packend erzählen zu können.“


Was den Brasilianer am meisten an dem jungen Mädchen, das davon träumte, Schriftstellerin zu werden, imponiert, ist ihr Optimismus: „Sie hat bis zum Schluss an ein Ende des Krieges, an ihre Befreiung und die Veröffentlichung ihres Tagebuches geglaubt. Sie hat die Hoffnung auf Frieden nie aufgegeben – und darin ist sie für mich ein Vorbild, gerade heute.“


von Silke Meier - Auszug aus dem Heft Nr. 17 (S. 22-24) - Europäische Kulturtage Karlsruhe 2016 - Herausgeber Staatstheater Karlsruhe

Quelle

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